Oscar Romero: Anstoß für Optimismus und Engagement

IMG_20170325_175539
Zwar war am 24. März 2017 „nur“ der 37. Todestag des 1980 ermordeten Erzbischofs Oscar Romero, aber dennoch gingen in San Salvador Tausende auf die Straße, um das Andenken an den Märtyrer zu erneuern. In diesem Jahr hatte ich das Glück, dabei zu sein, weil ich im Rahmen eines Gastaufenthaltes an der Mittelamerikanischen Universität für sechs Wochen in El Salvador bin. Neben Besuchen in der Kapelle, in der Romero ermordet wurde, in seinem bescheidenen Wohnhaus, das zu einem kleinen Museum umfunktioniert wurde, und an seinem Grab in der Krypta der Kathedrale war die Teilnahme an einigen der Gedenkveranstaltungen für mich quasi „Pflicht“.
Gerade bei der zentralen Prozession und Gedenkmesse auf einem Platz in der Innenstadt waren sehr viele Jugendliche anwesend. Die Veranstalter hatten die Verantwortung für die Prozession ganz an die organisierte Jugend abgegeben, und die Claretiner hatten offenbar Gruppen aus ganz Mittelamerika gezielt eingeladen. Die sorgten für eine ausgelassene, fröhliche und optimistische Stimmung, trotz des ernsten Hintergrundes.
Die Predigten und anderen liturgischen Texte blieben nicht in der Erinnerung an die Vergangenheit und nährten nicht den Personenkult. Aktuelle Probleme wie Ungerechtigkeit und Ausbeutung, Gewalt gegen Frauen und Minderheiten sowie die alltägliche Bandengewalt in El Salvador, die dramatische Ausmaße angenommen hat, standen oft im Mittelpunkt. Auch die repressive Politik der eigenen Regierung und die erschreckend hohe Zahl der Deportationen aus den USA wurden heftig kritisiert.
Romero ist für viele immer noch ein großes Hoffnungszeichen. Seine Seligsprechung 2015 und seine Heiligsprechung, die unmittelbar erwartet wird, haben auch Menschen in Gesellschaft und Kirche zu seinen Fans werden lassen, die jahrzehntelang als seine Feinde gelten konnten. Papst Franziskus erinnerte die Salvadorianer bereits 2015, dass Romero noch nach seinem Martyrium „angeschwärzt, verleumdet, in den Schmutz gezogen“ wurde, „sogar durch seine Mitbrüder im priesterlichen und bischöflichen Dienst“. Heute ist sein Bild fast überall zu sehen, aber seinen Spuren wird dennoch nicht immer gefolgt.
Für viele andere lenkt die Erinnerung an Romero den Blick wieder auf die zahlreichen Opfer von Gewalt, Unfrieden und Ausbeutung heute. Und motiviert, sich selbst für Gerechtigkeit und Frieden zu engagieren. Wie den vielen anderen Märtyrern ging es Romero nie darum, die eigene Person herauszuheben, sondern klar und mutig für die Opfer der Gewalt und der Ungerechtigkeit einzutreten. Darin sind sie für uns bis heute immer noch Vorbilder.
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s