Sommerzeit – Gartenzeit

Sommerzeit ist Gartenzeit – zumindest für viele von uns.
Im Garten sitzen und die Seele baumeln lassen – das ist nur die eine Seite. Damit der Garten seelenbaumelgeeignet ist, will er erst mal „im Schweiße meines Angesichts“ bearbeitet werden.
Aber auch die Arbeit im Garten ist Arbeit an der Seele. Das kann ich jedes Jahr wieder im eigenen Garten beobachten.
Denn wer mit dem Spaten umgegraben, Kompost eingearbeitet, Furchen gezogen und Samen oder Pflänzchen ausgebracht hat, der weiß, dass die Erbsen nicht immer aus der Dose und die Möhren meist nicht normgerecht aus der Erde kommen.
Gartenarbeit bringt mich in sehr intensiven körperlichen Kontakt mit meinem Essen – viel mehr als das Kochen und das Essen selbst. Gartenarbeit bringt mich auch in Kontakt mit den Landwirten und Kleinbauern, die all die Nahrung herstellen, die nicht im meinem Garten wächst: Der Milchbauer in Oberbayern und die Kaffeeproduzentin in Kolumbien.
Nach einem Abend im eigenen Garten habe ich eine blasse Vorstellung davon, was es bedeutet, sich das ganze Jahr um das Wachstum von Lebensmitteln zu kümmern – und das ganze Leben davon abhängig zu machen.
Gartenarbeit bringt mich auch in Kontakt mit meinem Schöpfer: Denn Gott hat nicht nur mich geschaffen, mit meinen Möglichkeiten und Grenzen, die mir der Garten aufzeigt, sondern auch den Garten und die gesamte Natur. Gott selbst ist ein Gärtner, der alles bestellt und beackert und wachsen lässt – und mich zu einer kleinen Mitarbeit in seinem Garten einlädt.
Gartenarbeit ist keine Seelenbaumelei – aber es ist auch Umgraben, Düngen und Säen in der eigenen Seele. Und das tut so gut wie das Füßehochlegen nach Feierabend.

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Verbindendes suchen, gemeinsam handeln

2017 Verbindendes suchen

Für den  neuen Ruf in die Zeit aus Münsterschwarzach, der dem Thema Ökumene gewidmet ist, habe ich einen Beitrag „Verbindendes suchen, gemeinsam handeln“ beigesteuert. Der Untertitel „Dramatische Realität eint die Kirchen in Lateinamerika“ (der zwar aus dem Text stammt, aber nicht als Untertitel vorgesehen war) verweist darauf, dass die geschichtliche Wirklichkeit manchmal stärker auf konfessionelle Einigkeit drängt als machtbewusste Kirchenleitungen. S. 10-11.

Erwin-Kräutler-Preis!

Meine Habilitationsschrift „Pluralität, Fragmente, Zeichen der Zeit“ wird mit dem Erwin-Kräutler-Preis für kontextuelle Theologie und interreligiösen Dialog der Universität Salzburg ausgezeichnet!
Das ist wirklich eine sehr erfreuliche Nachricht. Und dass ich den Preis mit Sebastian Pittl teilen darf, eine weitere.
Die Auszeichnung stellt für mich auch deshalb eine große Ehre dar, weil Bischof Erwin Kräutler in den letzten Jahren eine wichtige Inspirationsquelle für mich gewesen ist.

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Der neue Rundbrief der Plattform Theologie der Befreiung ist da!

28Die neueste Ausgabe des Rundbriefs der Plattform Theologie der Befreiung ist jetzt online.
Der Rundbrief kann hier gelesen oder heruntergeladen werden.

Inhalte dieses Mal: 

Kurznachrichten
Staat und Kirche in Brasilien 	
François Houtart †	
Menschenrechte Kolumbien	
Forschungsprojekt El Salvador	
Frühjahrstreffen Befreiungstheologisches Netzwerk	
Dialogprogramm Nord-Süd	
Christlich geht anders	
Erwin-Kräutler-Preis	
Bartolomé de Las Casas-Preis	
Aufruf ChristInnen auf zu G20!	
Sommerschule 2017	
Publikationen
Veranstaltungen

 

Lob des Wirrwarrs

Alle die gleiche Sprache? Alle einig und kooperativ? Exzellente Zusammenarbeit bei einem großartigen Projekt?

In der Bibel wird das sehr negativ geschildert. Beim Turmbau zu Babel scheinen sich alle Voraussetzungen für erfolgreiches Teamwork, Synergieeffekte, kurze Wege, schnelle Absprachen und gute Arbeitsteilung zu einem erstaunlichen Weltwunder zu vereinigen – doch der Gott des Volkes Israel macht diesem Menschheitsprojekt einen Strich durch die Rechnung: „Auf, steigen wir hinab und verwirren wir dort ihre Sprache!“ (Gen 11,1-9)

Warum eigentlich? Was hat Gott gegen den engen Zusammenhalt der Menschheit? Während man früher den Text so verstanden hat, dass Gott eifersüchtig darüber wacht, dass der Mensch nicht zu mächtig wird, blickt die heutige Bibelwissenschaft lieber auf die historische Situation des Volkes Israel: Ein mächtiges, einiges Volk, das der gesamten Menschheit die eigene Sprache aufzwingen wollte, um Mammutprojekte zur Verherrlichung der eigenen Macht zu realisieren – das hatten die Israeliten in ihrer Nachbarschaft, nämlich in Babel/Babylon. Und von deren Herrschaft hatten sie die Nase voll.

Der Gott, der in dieser Geschichte verwirrend eingreift, ist also derselbe Retter, der das Volk auch aus Ägypten befreit – auch da aus der Fremdherrschaft, aus der Zwangsarbeit.

Wirrwarr, Vielfalt, Unterschiedlichkeit – das scheinen für Gott keine Strafen zu sein, die er über die Menschheit verhängt, sondern Rettung vor der Gleichmacherei und der Unterdrückung.

An Pfingsten lesen wir den Gegentext: Der Geist überwindet den Wirrwarr der Sprachen. Aber er tut es nicht mit Gewalt und nicht mit der Gleichmacherei: Sondern jeder hört die Apostel in seiner eigenen Muttersprache reden (Apg 2,1-13). Die Vielfalt, das Wirrwarr bleibt erhalten. Der Geist stellt sich nicht für Herrschaftsinteressen zur Verfügung. Der Geist steht für die Vielfalt, die Unterschiedlichkeit – und doch die Gleichwertigkeit aller Menschen.

http://www.pg-goldbach.de/spirituelles – Pfingsten 2017

Foto: Turmbau zu Babel – Wandmalerei in Tschenstochau (c) Andrzej Otrębski – wikimedia (CC by-sa-4.0)

Latin American Liberation Theology as a Transforming Political Theology

This is what I would have liked to say yesterday had I had more time to say it all. At the 2017 Conference of the European Society for Intercultural Theology & Interreligious Studies on „Religion & Politics in the Crisis of Engagement. Towards the Relevance of Intercultural Theologies and Interreligious Studies“, at the University of Münster / Germany

Latin American Liberation Theology as a Transforming Political Theology

Teologías postcoloniales … en una entrevista en youtube

En el marco del curso sobre Teologías postcoloniales yTeología de la Liberación en la Maestría en Teología Latinoamericana en la Universidad Centroamericana de San Salvador, se grabó y se publicó un video en youtube conmigo sobre la temática. Quizás las ideas expuestas a veces salen un poco espontáneas e improvisadas – pero bueno … ahí está.

Oscar Romero: Anstoß für Optimismus und Engagement

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Zwar war am 24. März 2017 „nur“ der 37. Todestag des 1980 ermordeten Erzbischofs Oscar Romero, aber dennoch gingen in San Salvador Tausende auf die Straße, um das Andenken an den Märtyrer zu erneuern. In diesem Jahr hatte ich das Glück, dabei zu sein, weil ich im Rahmen eines Gastaufenthaltes an der Mittelamerikanischen Universität für sechs Wochen in El Salvador bin. Neben Besuchen in der Kapelle, in der Romero ermordet wurde, in seinem bescheidenen Wohnhaus, das zu einem kleinen Museum umfunktioniert wurde, und an seinem Grab in der Krypta der Kathedrale war die Teilnahme an einigen der Gedenkveranstaltungen für mich quasi „Pflicht“.
Gerade bei der zentralen Prozession und Gedenkmesse auf einem Platz in der Innenstadt waren sehr viele Jugendliche anwesend. Die Veranstalter hatten die Verantwortung für die Prozession ganz an die organisierte Jugend abgegeben, und die Claretiner hatten offenbar Gruppen aus ganz Mittelamerika gezielt eingeladen. Die sorgten für eine ausgelassene, fröhliche und optimistische Stimmung, trotz des ernsten Hintergrundes.
Die Predigten und anderen liturgischen Texte blieben nicht in der Erinnerung an die Vergangenheit und nährten nicht den Personenkult. Aktuelle Probleme wie Ungerechtigkeit und Ausbeutung, Gewalt gegen Frauen und Minderheiten sowie die alltägliche Bandengewalt in El Salvador, die dramatische Ausmaße angenommen hat, standen oft im Mittelpunkt. Auch die repressive Politik der eigenen Regierung und die erschreckend hohe Zahl der Deportationen aus den USA wurden heftig kritisiert.
Romero ist für viele immer noch ein großes Hoffnungszeichen. Seine Seligsprechung 2015 und seine Heiligsprechung, die unmittelbar erwartet wird, haben auch Menschen in Gesellschaft und Kirche zu seinen Fans werden lassen, die jahrzehntelang als seine Feinde gelten konnten. Papst Franziskus erinnerte die Salvadorianer bereits 2015, dass Romero noch nach seinem Martyrium „angeschwärzt, verleumdet, in den Schmutz gezogen“ wurde, „sogar durch seine Mitbrüder im priesterlichen und bischöflichen Dienst“. Heute ist sein Bild fast überall zu sehen, aber seinen Spuren wird dennoch nicht immer gefolgt.
Für viele andere lenkt die Erinnerung an Romero den Blick wieder auf die zahlreichen Opfer von Gewalt, Unfrieden und Ausbeutung heute. Und motiviert, sich selbst für Gerechtigkeit und Frieden zu engagieren. Wie den vielen anderen Märtyrern ging es Romero nie darum, die eigene Person herauszuheben, sondern klar und mutig für die Opfer der Gewalt und der Ungerechtigkeit einzutreten. Darin sind sie für uns bis heute immer noch Vorbilder.