Erwin-Kräutler-Preis 2017 an Sebastian Pittl und Stefan Silber

Presseinformation der Universität Salzburg

v.r.n.l.: Prof. Franz Gmainer-Pranzl, Prof. Christian Tauchner SVD, Prof. Michelle Becka, Bischof Erwin Kräutler, Prof. Margit Eckholt, Dr. Sebastian Pittl, Dr. Stefan Silber, Landesrätin Martina Berthold, Pfr.in Maria K. Moser, Prof. Heinrich Schmidinger

Preisverleihung mit Bischof Kräutler in der Theologischen Fakultät der Universität Salzburg. Foto: Andreas Kolarik, 02.10.17

Foto, v.r.n.l.: Prof. Franz Gmainer-Pranzl, Prof. Christian Tauchner SVD, Prof. Michelle Becka, Bischof Erwin Kräutler, Prof. Margit Eckholt, Dr. Sebastian Pittl, Dr. Stefan Silber, Landesrätin Martina Berthold, Pfr.in Dr. Maria K. Moser (Laudatorin), Dekan Prof. Heinrich Schmidinger

Weitere Fotos auch hier.

Lesenswert auch: Franz Gmainer-Pranzl: Befreiung von Sachzwängen – Aufgabe der Theologie, in: http://www.feinschwarz.net/befreiung-von-sachzwaengen-aufgabe-der-theologie/

Gestern Abend, den 3. Oktober 2017, vergab das Zentrum Theologie Interkulturell und Studium der Religionen der Universität Salzburg zum vierten Mal den Erwin Kräutler-Preis. Er ging heuer an die Theologen Sebastian Pittl (IWM St. Georgen) und Stefan Silber (Universität Osnabrück). Der nach dem aus Österreich stammenden römisch-katholischen Ordensgeistlichen, langjährigen Bischof von Xingu/Brasilien und alternativen Nobelpreisträger benannte Preis honoriert wissenschaftliche Arbeiten in den Themenbereichen, die mit dem Engagement von Bischof Kräutler verbunden sind.

Erwin Kräutler war erstmals bei der Preisverleihung des nach ihm benannten Preises anwesend. In seinen Grußworten sprach er über sein Leben mit den bedrohten Ureinwohnern in der Provinz Xingu in Brasilien und über die Bedeutung der Kirche im Kampf gegen Armut. Das Zentrum Theologie Interkulturell und Studium der Religionen vergibt den „Erwin Kräutler-Preis für kontextuelle Theologie und interreligiösen Dialog“ seit 2011 alle zwei Jahre. Er ist mit 3000 Euro dotiert.

Mit Salzburg ist Erwin Kräutler (geb. 1939 in Koblach, Vorarlberg) vielfach verbunden. Hier studierte er Theologie und Philosophie, im Salzburger Dom wurde er 1965 zum Priester geweiht. Im Jahr 2009 erhielt er für sein beispielhaftes pastorales und soziales Wirken die Ehrendoktorwürde der Universität Salzburg, ein Jahr bevor er für seinen Einsatz für die Menschenrechte der Indios und die Erhaltung des tropischen Regenwaldes im Amazonas-Gebiet mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

Kräutler gehört zu jenen Bischöfen Südamerikas, die die „Option für die Armen“ vertreten. Weder eine Festnahme durch die Militärpolizei, bei der er zusammengeschlagen wurde, noch ein Mordanschlag, bei dem Kräutler durch einen Autounfall schwer verletzt wurde (1987), noch mehrfache Morddrohungen aufgrund seines Widerstands gegen das Staudammprojekt Belo Monte und seiner Anklagen einflussreicher Personen im Zusammenhang von sexuellem Missbrauch bzw. Prostitution von Kindern und Jugendlichen konnten ihn von seiner gelebten Option für die Armen abhalten. Die Option für die Armen steht im Mittelpunkt der Befreiungstheologie.

Die Preisträger

Dr. Sebastian Pittl wurde 1984 in Melk/Niederösterreich geboren. Er studierte Psychologie, Philosophie und Theologie in Wien und Madrid. 2016 promovierte er an der Universität Wien mit einer Arbeit über die Geschichtstheologie des salvadorianischen Theologen und Philosophen Ignacio Ellacuria. Seit 2015 ist Sebastian Pittl für den Forschungsbereich Interkulturelle Theologie am Institut für Weltkirche und Mission an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen (Frankfurt) verantwortlich.

„Sebastian Pittl hat durch seine systematisch-theologische Dissertation das Denken eines der markantesten und intellektuell profiliertesten Denkers der lateinamerikanischen Befreiungstheologie, des 1989 von rechtsgerichteten Todesschwadronen ermordeten Philosophen Ignacio Ellacuría SJ, profund analysiert und auf seine gegenwärtige Relevanz hin durchleuchtet“, sagt Professor Franz Gmainer-Pranzl, Leiter des Zentrums Theologie Interkulturell und Studium der Religion an der Universität Salzburg. Gmainer-Pranzl ist einer der Initiatoren des Erwin-Kräutler-Preises und Mitglied der Jury, die den Preis vergibt.

PD Dr. Stefan Silber wurde 1966 in Leidersbach bei Aschaffenburg geboren. Er studierte in Würzburg und Cochabamba (Bolivien) katholische Theologie und ist als Privatdozent an der Universität Osnabrück tätig. Einer seiner theologischen Schwerpunkte sind aktuelle Entwicklungen der lateinamerikanischen Befreiungstheologie.

„Stefan Silber hat durch seine Habilitationsarbeit „Pluralität, Fragmente, Zeichen der Zeit. Aktuelle fundamentaltheologische Herausforderungen aus der Perspektive der lateinamerikanischen Theologie der Befreiung“ (Universität Osnabrück, 2015) einen breiten Überblick über die (Weiter-)Entwicklung der Befreiungstheologie gegeben und dabei auch wichtige Themen der Gegenwart wie zum Beispiel die Urbanisierung behandelt. Außerdem gibt Stefan Silber seit mehreren Jahren den „Befreiungstheologischen Rundbrief“ heraus, mit dem er alle an Befreiungstheologie Interessierten vernetzt und informiert.“ So Franz Gmainer-Pranzl zur Vergabe des Erwin-Kräutler-Preises an Stefan Silber.

Der Erwin Kräutler Preis für kontextuelle Theologie und interreligiösen Dialog möchte junge WissenschaftlerInnen fördern, die sich mit jenen Themen auseinandersetzen, für die sich Erwin Kräutler engagiert wie zum Beispiel Befreiungstheologie, Friede, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung.

Die Vergabe dieses Preises, die erstmals im Jahr 2011 erfolgte, ist eine Folge der Vergabe des Ehrendoktorats der Universität Salzburg an Bischof Erwin Kräutler am 7.10.2009. Seine Verbindung von christlicher Glaubenshaltung und gesellschaftlichem Engagement, von Mystik und Politik ist ein Kennzeichen der Befreiungstheologie, die – so Gmainer-Pranzl – am Zentrum Theologie Interkulturell und Studium der Religionen eine wichtige Rolle spielt. Ende September 2017 erscheint der Band „Theologie der Befreiung heute“ (hrsg. von Franz Gmainer-Pranzl, Sandra Lassak und Birgit Weiler, der ersten Preisträgerin).

http://www.uni-salzburg.at/ztkr/erwin-kraeutler-preis

Kontakt

Univ.-Prof. DDr. Franz Gmainer-Pranzl, Leiter des Zentrums
Theologie Interkulturell und Studium der Religionen,

Fachbereich Systematische Theologie, Universitätsplatz 1, 5020 Salzburg,

Tel.: +43 (0)662/8044-2759, franz.gmainer-pranzl@sbg.ac.at
http://www.uni-salzburg.at/ztkr/franz.gmainer-pranzl

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Belegexemplare sind da!

Heute sind endlich die ersten Exemplare meines neuen Buches angekommen:
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Ich freue mich sehr, dass meine Habilitationsschrift nun endlich gedruckt vorliegt und sicher auch bald in den Buchhandlungen zu erhalten ist!

 

Temer, Evo y el Papa

„Temer, Evo y el Papa“ – mi primera columna en un periódico boliviano apareció hoy en la Opinión:

El gobierno neoliberal de Michel Temer en Brasil extinguió la Reserva Nacional del Cobre y Asociados (Renca), un área protegida de 47 mil km2 en la Amazonía, para dar acceso libre a la explotación minera, decisión declarada ilegal por un juez, pocos días después.

Temer lanzó este decreto poco tiempo después de que, en la vecina Bolivia, el Gobierno supuestamente indigenista de Evo Morales eliminó la intangibilidad del TIPNIS para poder construir una controvertida carretera. Ambas decisiones –la brasileña y la boliviana– encontraron un eco de protestas de ambientalistas en todo el mundo.

Estos sucesos ocurrieron mientras me encontraba nuevamente en Bolivia, al cabo de tres años, para visitar a los amigos y compadres en Cochabamba y Potosí, y discutía con ellos –entre otras cosas– sobre las transformaciones sociales, políticas y culturales del país.

Encontré una gran variedad de respuestas y opiniones, pero me sigo preguntando: pese a que el Vicepresidente boliviano haya afirmado que la nueva ley del TIPNIS no significará carta blanca para la minería dentro del territorio indígena: ¿quién puede creer que una carretera no atraerá la codicia minera, con todas las consecuencias ecológicas nefastas que se pueden observar en el departamento de Potosí, al cabo de cinco siglos de extractivismo inclemente?

El Papa Francisco y el Patriarca Ecuménico Bartolomé, en un mensaje conjunto para este 1º de septiembre, llaman “a quienes ocupan puestos de responsabilidad política, para que escuchen el grito de la tierra”. Como estos textos se preparan con mucha anticipación, este llamado no es una respuesta específica a los errores ecológicos y sociales de los gobiernos de Brasil y Bolivia. Pero el gobierno de Evo, que al parecer tiene mayor cercanía al Papa que toda la Conferencia Episcopal Boliviana, debería quizás prestar más atención a esta seria advertencia.

En su carta sobre el cuidado de la “Casa Común”, el Papa dice: los pueblos indígenas “no son una simple minoría entre otras, sino que deben convertirse en los principales interlocutores, sobre todo a la hora de avanzar en grandes proyectos que afecten a sus espacios”. Es extraño que se necesite recurrir al Papa en Roma para recordarle al Gobierno boliviano sus raíces indigenistas.

Sommerzeit – Gartenzeit

Sommerzeit ist Gartenzeit – zumindest für viele von uns.
Im Garten sitzen und die Seele baumeln lassen – das ist nur die eine Seite. Damit der Garten seelenbaumelgeeignet ist, will er erst mal „im Schweiße meines Angesichts“ bearbeitet werden.
Aber auch die Arbeit im Garten ist Arbeit an der Seele. Das kann ich jedes Jahr wieder im eigenen Garten beobachten.
Denn wer mit dem Spaten umgegraben, Kompost eingearbeitet, Furchen gezogen und Samen oder Pflänzchen ausgebracht hat, der weiß, dass die Erbsen nicht immer aus der Dose und die Möhren meist nicht normgerecht aus der Erde kommen.
Gartenarbeit bringt mich in sehr intensiven körperlichen Kontakt mit meinem Essen – viel mehr als das Kochen und das Essen selbst. Gartenarbeit bringt mich auch in Kontakt mit den Landwirten und Kleinbauern, die all die Nahrung herstellen, die nicht im meinem Garten wächst: Der Milchbauer in Oberbayern und die Kaffeeproduzentin in Kolumbien.
Nach einem Abend im eigenen Garten habe ich eine blasse Vorstellung davon, was es bedeutet, sich das ganze Jahr um das Wachstum von Lebensmitteln zu kümmern – und das ganze Leben davon abhängig zu machen.
Gartenarbeit bringt mich auch in Kontakt mit meinem Schöpfer: Denn Gott hat nicht nur mich geschaffen, mit meinen Möglichkeiten und Grenzen, die mir der Garten aufzeigt, sondern auch den Garten und die gesamte Natur. Gott selbst ist ein Gärtner, der alles bestellt und beackert und wachsen lässt – und mich zu einer kleinen Mitarbeit in seinem Garten einlädt.
Gartenarbeit ist keine Seelenbaumelei – aber es ist auch Umgraben, Düngen und Säen in der eigenen Seele. Und das tut so gut wie das Füßehochlegen nach Feierabend.

http://www.pg-goldbach.de/spirituelles

Verbindendes suchen, gemeinsam handeln

2017 Verbindendes suchen

Für den  neuen Ruf in die Zeit aus Münsterschwarzach, der dem Thema Ökumene gewidmet ist, habe ich einen Beitrag „Verbindendes suchen, gemeinsam handeln“ beigesteuert. Der Untertitel „Dramatische Realität eint die Kirchen in Lateinamerika“ (der zwar aus dem Text stammt, aber nicht als Untertitel vorgesehen war) verweist darauf, dass die geschichtliche Wirklichkeit manchmal stärker auf konfessionelle Einigkeit drängt als machtbewusste Kirchenleitungen. S. 10-11.

Erwin-Kräutler-Preis!

Meine Habilitationsschrift „Pluralität, Fragmente, Zeichen der Zeit“ wird mit dem Erwin-Kräutler-Preis für kontextuelle Theologie und interreligiösen Dialog der Universität Salzburg ausgezeichnet!
Das ist wirklich eine sehr erfreuliche Nachricht. Und dass ich den Preis mit Sebastian Pittl teilen darf, eine weitere.
Die Auszeichnung stellt für mich auch deshalb eine große Ehre dar, weil Bischof Erwin Kräutler in den letzten Jahren eine wichtige Inspirationsquelle für mich gewesen ist.

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Der neue Rundbrief der Plattform Theologie der Befreiung ist da!

28Die neueste Ausgabe des Rundbriefs der Plattform Theologie der Befreiung ist jetzt online.
Der Rundbrief kann hier gelesen oder heruntergeladen werden.

Inhalte dieses Mal: 

Kurznachrichten
Staat und Kirche in Brasilien 	
François Houtart †	
Menschenrechte Kolumbien	
Forschungsprojekt El Salvador	
Frühjahrstreffen Befreiungstheologisches Netzwerk	
Dialogprogramm Nord-Süd	
Christlich geht anders	
Erwin-Kräutler-Preis	
Bartolomé de Las Casas-Preis	
Aufruf ChristInnen auf zu G20!	
Sommerschule 2017	
Publikationen
Veranstaltungen

 

Lob des Wirrwarrs

Alle die gleiche Sprache? Alle einig und kooperativ? Exzellente Zusammenarbeit bei einem großartigen Projekt?

In der Bibel wird das sehr negativ geschildert. Beim Turmbau zu Babel scheinen sich alle Voraussetzungen für erfolgreiches Teamwork, Synergieeffekte, kurze Wege, schnelle Absprachen und gute Arbeitsteilung zu einem erstaunlichen Weltwunder zu vereinigen – doch der Gott des Volkes Israel macht diesem Menschheitsprojekt einen Strich durch die Rechnung: „Auf, steigen wir hinab und verwirren wir dort ihre Sprache!“ (Gen 11,1-9)

Warum eigentlich? Was hat Gott gegen den engen Zusammenhalt der Menschheit? Während man früher den Text so verstanden hat, dass Gott eifersüchtig darüber wacht, dass der Mensch nicht zu mächtig wird, blickt die heutige Bibelwissenschaft lieber auf die historische Situation des Volkes Israel: Ein mächtiges, einiges Volk, das der gesamten Menschheit die eigene Sprache aufzwingen wollte, um Mammutprojekte zur Verherrlichung der eigenen Macht zu realisieren – das hatten die Israeliten in ihrer Nachbarschaft, nämlich in Babel/Babylon. Und von deren Herrschaft hatten sie die Nase voll.

Der Gott, der in dieser Geschichte verwirrend eingreift, ist also derselbe Retter, der das Volk auch aus Ägypten befreit – auch da aus der Fremdherrschaft, aus der Zwangsarbeit.

Wirrwarr, Vielfalt, Unterschiedlichkeit – das scheinen für Gott keine Strafen zu sein, die er über die Menschheit verhängt, sondern Rettung vor der Gleichmacherei und der Unterdrückung.

An Pfingsten lesen wir den Gegentext: Der Geist überwindet den Wirrwarr der Sprachen. Aber er tut es nicht mit Gewalt und nicht mit der Gleichmacherei: Sondern jeder hört die Apostel in seiner eigenen Muttersprache reden (Apg 2,1-13). Die Vielfalt, das Wirrwarr bleibt erhalten. Der Geist stellt sich nicht für Herrschaftsinteressen zur Verfügung. Der Geist steht für die Vielfalt, die Unterschiedlichkeit – und doch die Gleichwertigkeit aller Menschen.

http://www.pg-goldbach.de/spirituelles – Pfingsten 2017

Foto: Turmbau zu Babel – Wandmalerei in Tschenstochau (c) Andrzej Otrębski – wikimedia (CC by-sa-4.0)