Was lange währt…

47143323_10210134228431203_6211453313464926208_oManchmal dauerts etwas länger…. aber nun ist auch wieder ein Text von mir gedruckt:

Latin American Liberation Theology as a Transforming Political Theology. Diversity, Fragmentarity, Relevance, in: Interreligious Studies and Intercultural Theology 2 (2018) 2, 177-192

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Rundbrief #36

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… ist jetzt online.

„Im Namen dieses leidenden Volkes“ er­hob der Prophet aus San Salvador, Oscar Romero, seinen Protest gegen Unge­rechtigkeit und Unterdrückung. Nach 38 Jahren wurde nun auch vom Vatikan sei­ne Heiligsprechung durch die Armen endlich offiziell anerkannt.

Das 50. Jubiläum der Konferenz von Me­dellín lenkt den Blick auf ein halbes Jahr­hundert einer Kirche, die sich diesem lei­denden Volk mehr und mehr verpflich­ten wollte, und auf ebenso viele Jahre, in denen von Theologie der Befreiung die Rede ist.

Gleichzeitig wird in Brasilien ein Mensch zum Präsidenten gewählt, der in dieser Spiritualität den „verfaulten Teil“ der katholischen Kir­che sieht und dessen Wahl unter Beweis stellt, dass der politische Einfluss der evangelikalen und pentekostalen Kirchen nirgendwo in Lateinamerika mehr unterschätzt werden darf.

Gründe zum Feiern oder Grund zum Trauern und zur Selbstkritik? Dieser Rundbrief verweist wieder auf beides, nicht zuletzt auch auf die immer drängende Notwendigkeit, im Namen der leidenden Völ­ker prophetisch und politisch zu sprechen.

Inhalte:

Kurznachrichten	
Hl. Oscar Romero
50 Jahre Medellín
III. Kontinentalkongress 	
Workshop „Befreiende kontextuelle Theologien“	
Treffen der Europäischen Basisgemeinden	
25 Jahre ITP	
Zukunft in Hoffnung	
Ausschreibung des Erwin-Kräutler-Preises	
Rezensionen	
Weitere Publikationen 	
Multimedia	
Veranstaltungshinweise

Zwei neue Veröffentlichungen

Wieder zuhause angekommen habe ich hier zwei neue Belegexemplare vorgefunden:

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  • Lebendig und lebensnah. Warum interkulturelle Partnerschaften ein Gewinn sind, in: Forum Weltkirche 137 (2018) 5, 29-34
  • Versuchung Sprache, in: Hirschberg 71 (2018) 9, 536-541

Zwei völlig verschiedene Beiträge zu unterschiedlichen Themen … beides finde ich sehr spannend.

 

Presentación del libro „Poscolonialismo“

Anoche se realizó la presentación de mi libro

Poscolonialismo. Introducción a los estudios y las teologías poscoloniales (El tiempo que no perece 3), Cochabamba: Itinerarios / CMMAL 2018 | ISBN 978-99974-343-0-2 | 152 pp.

José Luis López, del Centro Maryknoll, y autor del prólogo hizo una buena introducción a la temática. Después de mi propia intervención se desarrolló un vivo debate. Gracias a todas las personas que organizaron el evento!

 

Streit! Predigt in der Friedensdekade 2017

Nach 15 Jahren (!) durfte ich heute auch mal wieder predigen – im ökumenischen Gottesdienst in der Friedensdekade in Goldbach. Und das wars:

Liebe Schwestern und Brüder!

„Streit!“ ist das Thema der Friedensdekade. Das überrascht zunächst einmal. Streit ist doch nichts Gutes. Wir sind doch alles friedliche Menschen, wir wollen doch Frieden, keinen Streit!

Der Prophet Jeremia war da vielleicht anderer Meinung. Das war auch ein friedliebender Mensch. Aber in der Lesung, die wir gehört haben, sucht er Streit. Und das nicht zum ersten Mal. Jeremia ist ein Mensch, der den Streit sucht, gerade weil er den Frieden liebt.

In der Lesung nimmt er kein Blatt vor den Mund. Er spricht von Gewalttätern, von unschuldig vergossenem Blut, von der Misshandlung von Fremden, Witwen und Waisen. Und er kündigt drastische Konsequenzen an: „Zum Trümmerhaufen wird dieser Palast.“

Jeremia sagt das nicht nur vor sich hin: Er bekommt ausdrücklich den Auftrag, in den Palast des Königs zu gehen und spricht ihn auch persönlich und öffentlich an: „Du König von Juda, der du auf dem Thron Davids sitzt, du, deine Diener und deine Leute!“ Da ist jemand auf Krawall gebürstet, da sucht jemand Streit.

Für den Propheten ist klar: Es gilt Position zu beziehen, den Mund aufzumachen, Partei zu ergreifen. Auf welche Seite er sich stellt, ist für Jeremia auch klar: auf die Seite der Opfer, der Schwächeren und derjenigen, die sprachlos gemacht wurden. Jeremia sucht Streit um der Menschen willen, die unter Ungerechtigkeit und Unfrieden leiden müssen.

Auch wir leben in einer Zeit, in der wir oft merken, dass wir nicht schweigen dürfen, dass wir den Mund aufmachen und Kritik üben müssen, ja, manchmal vielleicht auch Streit suchen müssen.

– Wenn es um die Verstrickung Deutschlands in Kriege und Gewalt auf der Welt geht, durch Rüstungsexport und Drohnenmorde.

– Wenn es um das Recht von Flüchtlingen und Migranten geht, in Sicherheit zu kommen und hier auch bleiben zu dürfen.

– Wenn es um die Ausplünderung der Rohstoffe und der Menschen in den Ländern des Südens durch ungerechte Handelsbeziehungen geht.

Aber auch für viele Dinge müssen wir streiten, nicht nur dagegen: für die Menschenrechte, für mehr Mitbeteiligung, für eine zivile Konfliktbearbeitung, für eine tiefere Verständigung zwischen Religionen und Kulturen.

Kriege und Klimawandel führen uns in der Gegenwart außerdem drastisch vor, was uns bevorsteht, wenn wir uns nicht für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen. Dagegen ist die Drohbotschaft des Jeremia noch harmlos: Nicht nur der Palast, sondern die ganze Welt droht zu einem Trümmerhaufen zu werden.

Und dann hören wir von Jesus im Evangelium: „Bei euch soll es nicht so sein.“ Damit meint Jesus aber nicht, dass wir allen Streit vermeiden sollen. Sondern es geht um das Wie und auch um das Wofür des Streitens.

Johannes und Jakobus, die Zebedäussöhne, die hier offenbar ihre Mutter vorschieben, damit sie ihnen die besten Plätze sichert, suchen keine irdische Macht und Herrschaft. Aber auch sie wollen auf Thronen sitzen, genauso wie der König, zu dem Jeremia geschickt wird. Sie wollen Macht im Reich Gottes.

Da sagt Jesus: Nein. Darum geht es doch gar nicht. Das ist für Jesus genau dieselbe falsche Einstellung, mit der die Könige in Ungerechtigkeit herrschen. Stattdessen: „Wer bei Euch groß sein will, der soll euer Diener sein.“

Das gilt auch für den Streit. Es geht beim Streit nicht darum, die besten Plätze für sich zu bekommen oder sie anderen streitig zu machen, sondern um Gerechtigkeit für die Ausgeplünderten. Die stehen im Mittelpunkt.

Es geht beim Streit aber auch immer um den Gegner: Der soll ja nicht beseitigt, sondern überzeugt werden. Dem will ich ja helfen, den Weg zu verlassen, den ich für falsch halte. Und dazu hilft es nicht, wenn ich ihn beschimpfe, bedrohe oder beleidige. Auch im Streit gilt: „wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein“. Wer meint Recht zu haben, muss das nicht mit Gewalt, Drohung und Beleidigung durchsetzen.

Der Frieden muss schon im Streiten sichtbar werden. Nicht nur durch eine friedliche Streitkultur, in der die Verständigung gesucht wird. Sondern auch als Perspektive, als gemeinsame Hoffnung, als Verheißung für eine gerechte und friedliche Zukunft.

Wenn wir friedlich streiten, fängt das Reich Gottes jetzt schon an – und dann ist es nicht mehr wichtig, wer in diesem Reich auf Thronen sitzen darf.

 

Predigttexte:

Lesung: Jer 22, 1-5 (rk)

1 So hat der Herr gesprochen: Geh hinab in den Palast des Königs von Juda und rede dort folgende Worte!
2 Du sollst sagen: König von Juda, der du auf dem Thron Davids sitzt, höre das Wort des Herrn, du selbst, deine Diener und deine Leute, die durch diese Tore kommen.
3 So spricht der Herr: Sorgt für Recht und Gerechtigkeit und rettet den Ausgeplünderten aus der Hand des Gewalttäters! Fremde, Waisen und Witwen bedrängt und misshandelt nicht; vergießt kein unschuldiges Blut an diesem Ort!
4 Wenn ihr wirklich dieses Wort erfüllt, dann werden durch die Tore dieses Palastes Könige einziehen, die auf dem Thron Davids sitzen; mit Wagen und Rossen werden sie fahren, sie selbst, ihre Beamten und ihre Leute.
5 Hört ihr aber nicht auf diese Worte, so schwöre ich bei mir selbst Spruch des Herrn: Zum Trümmerhaufen wird dieser Palast.

Evangelium: Mt 20,20-28

20 Damals kam die Frau des Zebedäus mit ihren Söhnen zu Jesus und fiel vor ihm nieder, weil sie ihn um etwas bitten wollte.
21 Er fragte sie: Was willst du? Sie antwortete: Versprich, dass meine beiden Söhne in deinem Reich rechts und links neben dir sitzen dürfen. 22 Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde? Sie sagten zu ihm: Wir können es. 23 Da antwortete er ihnen: Ihr werdet meinen Kelch trinken; doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die mein Vater diese Plätze bestimmt hat. 24 Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über die beiden Brüder. 25 Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. 26 Bei euch soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, 27 und wer bei euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein. 28 Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.

Sommerzeit – Gartenzeit

Sommerzeit ist Gartenzeit – zumindest für viele von uns.
Im Garten sitzen und die Seele baumeln lassen – das ist nur die eine Seite. Damit der Garten seelenbaumelgeeignet ist, will er erst mal „im Schweiße meines Angesichts“ bearbeitet werden.
Aber auch die Arbeit im Garten ist Arbeit an der Seele. Das kann ich jedes Jahr wieder im eigenen Garten beobachten.
Denn wer mit dem Spaten umgegraben, Kompost eingearbeitet, Furchen gezogen und Samen oder Pflänzchen ausgebracht hat, der weiß, dass die Erbsen nicht immer aus der Dose und die Möhren meist nicht normgerecht aus der Erde kommen.
Gartenarbeit bringt mich in sehr intensiven körperlichen Kontakt mit meinem Essen – viel mehr als das Kochen und das Essen selbst. Gartenarbeit bringt mich auch in Kontakt mit den Landwirten und Kleinbauern, die all die Nahrung herstellen, die nicht im meinem Garten wächst: Der Milchbauer in Oberbayern und die Kaffeeproduzentin in Kolumbien.
Nach einem Abend im eigenen Garten habe ich eine blasse Vorstellung davon, was es bedeutet, sich das ganze Jahr um das Wachstum von Lebensmitteln zu kümmern – und das ganze Leben davon abhängig zu machen.
Gartenarbeit bringt mich auch in Kontakt mit meinem Schöpfer: Denn Gott hat nicht nur mich geschaffen, mit meinen Möglichkeiten und Grenzen, die mir der Garten aufzeigt, sondern auch den Garten und die gesamte Natur. Gott selbst ist ein Gärtner, der alles bestellt und beackert und wachsen lässt – und mich zu einer kleinen Mitarbeit in seinem Garten einlädt.
Gartenarbeit ist keine Seelenbaumelei – aber es ist auch Umgraben, Düngen und Säen in der eigenen Seele. Und das tut so gut wie das Füßehochlegen nach Feierabend.

http://www.pg-goldbach.de/spirituelles

Verbindendes suchen, gemeinsam handeln

2017 Verbindendes suchen

Für den  neuen Ruf in die Zeit aus Münsterschwarzach, der dem Thema Ökumene gewidmet ist, habe ich einen Beitrag „Verbindendes suchen, gemeinsam handeln“ beigesteuert. Der Untertitel „Dramatische Realität eint die Kirchen in Lateinamerika“ (der zwar aus dem Text stammt, aber nicht als Untertitel vorgesehen war) verweist darauf, dass die geschichtliche Wirklichkeit manchmal stärker auf konfessionelle Einigkeit drängt als machtbewusste Kirchenleitungen. S. 10-11.